Ihr Gesundheitsratgeber: Ergotherapie

Das Belohnungssystem aktivieren, Menschen wieder handlungsfähig machen

Im Leben gibt es immer wieder Situationen, die zu einem Bruch führen, die das Leben auf den Kopf stellen: Der Tod eines geliebten Menschen, Übergänge wie Trennung, Scheidung, Rente oder der Verlust des Arbeitsplatzes ziehen oftmals ebenso massive Veränderungen im Alltag nach sich wie Einschränkungen durch einen Unfall oder schwere Erkrankungen. Dies alles kann dazu führen, dass Menschen in ihrem täglichen Handeln beeinträchtigt sind; auf körperlicher, seelischer oder geistiger Ebene.

Ergotherapeuten sind auf Empowerment spezialisiert. Was bedeutet, dass sie ihre beeinträchtigten Patienten und Klienten befähigen, das wieder tun zu können, was für sie wichtig ist. Was ist also naheliegender, als diese täglichen Handlungen wie etwa soziale Kontakte pflegen, eine erfüllende Aufgabe finden oder an den Arbeitsplatz zurückkehren, „einfach“ zu üben oder wieder zu erlernen, wenn sie für diesen Menschen eine Bedeutung haben, ja sein Leben ausmachen und prägen? Um herauszufinden, was genau das ist, gehen Ergotherapeuten tief in die Biografie ihrer Patienten um entsprechende Ziele gemeinsam mit ihnen festzulegen. „Jede Therapiesituation ist eine Lernsituation.“, verdeutlicht Felix Haase vom DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.). Der Ergotherapeut erklärt weiter: „Lernen funktioniert über die Vorgänge im Gehirn. Das sogenannte mesolimbische System, das Wissenschaftler inzwischen allgemein als „Belohnungssystem“ bezeichnen, ist das, was Ergotherapeuten mit ihrer Arbeit aktivieren wollen. Denn dort sind die Emotionen angesiedelt, dort entsteht durch Ausschütten des Hormons Dopamin unter anderem Freude.“ Wenn es gelingt, dieses System zu aktivieren, erleben Menschen außer Freude, Glück und Erfolg. Dadurch verstärken sich auf neurobiologischer Ebene alle Lernprozesse im Gehirn.

Patienten, die nach einem Schlaganfall, einem Unfall oder einer anderen Erkrankung beispielsweise einen Arm nicht mehr bewegen können, sind oft massiv in ihrer Handlungsfähigkeit beeinträchtigt. Lassen sich beeinträchtige Funktionen nicht mehr trainieren oder wiedererlernen, ist der ergotherapeutische Ansatz, Kompensationsstrategien anzuwenden. Damit die Betroffenen die für sie wichtigen Handlungen im Alltag trotz des bewegungsunfähigen Arms ausführen können, schauen Ergotherapeuten nach vorhandenen anderen Fähigkeiten, üben beispielsweise mit dem gesunden Arm oder setzen Hilfsmittel ein.

Für den Erfolg einer ergotherapeutischen Intervention ist es wichtig, die Ziele erreichbar zu machen, damit der Patient immer wieder Erfolgserlebnisse hat und dadurch das Belohnungssystem tatsächlich anspringen kann. Und eben dann, bei einem Erfolgserlebnis, schüttet das Gehirn Dopamin aus.

Über die Freude hinaus wirkt Dopamin antriebssteigernd und fördert damit die Eigenmotivation des Patienten, weiterzumachen.

Dass eine solche Vorgehensweise bei körperlichen Einschränkungen funktioniert, leuchtet ein. Doch wie verhält es sich bei Erkrankungen auf psychischer Ebene? „Im Bereich seelischer Belastungen und psychischer Störungen spielen zunächst zwei Aspekte eine große Rolle: Die Bindung zwischen Patient und Therapeut. Und die täglichen Handlungen, eingebettet in eine Tagesstruktur.“, zeigt der Ergotherapeut, welche grundlegenden Ziele die Ergotherapie in diesem Fall verfolgt. „Das Gefühl, dem Therapeuten vertrauen zu können und ein „Ohr“ zu finden ist für Patienten eine positive Bindungserfahrung.

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