Mountainbikes: Vom Alleskönner zum Spezialisten

Das Mountainbike hat in seiner 40-jährigen Geschichte fast jeder Fahrradgattung Impulse gegeben und der Branche einen riesigen Aufschwung beschert. Es wird als Technikwunder bestaunt und als Alleskönner geliebt, dabei aber nicht immer seiner wahren Bestimmung zugeführt – viele Mountainbikes sind in unterschiedlichen Umbaustufen als Stadträder unterwegs. Immerhin ist das Grundprinzip leicht zu definieren: Ein Mountainbike verfügt über breite, grobstollige Bereifung, ist üblicherweise mit einer Federgabel ausgestattet oder gar vollgefedert und von robuster Machart. Aufgabe der Federung ist weniger der Komfort als vielmehr, auch in anspruchsvollen Geländepassagen stets für Traktion zu sorgen. Als Rahmenmaterial sind Aluminium und Carbon am häufigsten anzutreffen, aber auch Stahl und Titan haben nach wie vor ihre Fans. Jedes Material hat dabei seine spezifischen Vor- und Nachteile.

Schaltung

Wurden Mountainbikes in früherer Zeit gern über die Anzahl der Gänge definiert, ist heute weniger oft mehr. Die bis in die späten Neunzigerjahre gängige Kombination von drei Kettenblättern an der Kurbel mit bis zu neun Ritzeln am Heck ist immer häufiger Zehn-, Elf- und mittlerweile Zwölffach-Antrieben mit meist einem oder seltener zwei Kettenblättern an der Front gewichen, was die Schaltfolge einfacher und intuitiver macht. Entgegen dem ersten Eindruck bieten Einfachkassetten sogar eine größere Übersetzungsbandbreite als frühere Dreifachkurbeln – zudem schaltet man linear mit nur einem Schalthebel. Die jüngste Generation mit zwölf Ritzeln bietet bei zehn bis 50 Zähnen 500 Prozent Entfaltung. Alternative Schaltungskonzepte sind seit jeher Gegenstand von Weiter­entwicklung, aktuell haben wartungsarme Zentralgetriebe einigen Rückenwind.

Bremsen und Reifen

Verzögert wird am zeitgemäßen Mountainbike ausschließlich mit Scheibenbremsen, in den meisten Fällen hydraulisch und seltener auch mechanisch. Die V-Brakes oder hydraulischen Felgenbremsen sind dieser standfesteren und deutlich witterungsunabhängigeren Technologie gewichen. Die Breite der Lenker wuchs in den letzten 20 Jahren um bis zu 25 Zentimeter, sie liegt heute meist zwischen 72 und 76, bei Bikes fürs ganz grobe Gelände sogar bei 80 Zentimetern. Im Gegenzug wurden die Lenkervorbauten immer kürzer – von einst bis zu 150 zu heute nicht selten 35 Millimetern. Licht, Schutzbleche und Gepäckträger fehlen. In den vergangenen Jahren viel diskutiert, haben sich die Laufradgrößen 27,5 und 29 Zoll durchgesetzt. Im Vergleich zu den früher üblichen 26-Zöllern bieten sie ein besseres Überrollverhalten und mehr Traktion. Laufräder mit 26 Zoll Felgendurchmesser finden sich heute vor allem an Jugend- und Einsteigerrädern sowie an Fatbikes.

Gegenstand jüngerer Entwicklung von MTB-Komponenten sind vor allem die Reifen in sogenannten Plus-Größen. Sie bieten durch ihre größere Breite ein Plus an Traktion, Komfort und Sicherheit und können darum für viele Mountainbiker interessant sein. Vor allem die Spielart B-plus, also Laufraddurchmesser 27,5 Zoll bei Reifenbreiten von 2,6, 2,8 und 3 Zoll, hat einen festen Platz eingenommen, nicht zuletzt an E-Mountainbikes.

Zu den derzeit heißen Themen bei Mountainbikes gehört zum einen die Rahmen-Geometrie. „Es gibt mehr und mehr Räder mit längerem Radstand und flacherem Lenkwinkel“, beschreibt Elmar Keinecke vom Komponentenhersteller Sram die Entwicklungen. Zum anderen werden MTBs mit Elektrounterstützung immer beliebter – kaum ein Hersteller, der auf der Weltleitmesse Eurobike kein E-MTB präsentierte. Die wachsende Bedeutung dieser Gattung sorgt für mitunter hitzige Diskussionen in der Szene.

Abseits davon hat sich ein breites Feld unterschiedlicher Bikes etabliert. In den vergangenen 20 Jahren hat sich eine Vielzahl von Unterkategorien gebildet, die auf den Einsatz bei ganz bestimmten sportlichen Disziplinen abgestimmt sind. Hier eine Übersicht über die meistverbreiteten Spielarten des Geländefahrrads:

  • Einsteiger-MTB
  • Cross-Country,  Race, Marathon
  • All Mountain, Enduro
  • Freeride, Downhill
  • Dirtbikes/Dualbikes
Vom Mountainbike kommend, hat sich das Fatbike mittlerweile als eigene Radgattung etabliert.

Elektrifizierung

Das E-Mountainbike ist wahrscheinlich die am stärksten weiterentwickelte Sparte des Produktjahres 2019. Ausgehend vom Touren-Mountainbike werden (mit Ausnahme der Dirt- und Dualbikes) mittlerweile alle hier genannten Spielarten des Mountainbikes auch elektrisch angeboten. Das gilt für Hardtails über Enduro-E-Mountainbikes bis hin zum elektrifizierten Downhill-Boliden.
Quelle: www.pd-f.de

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