Mit Fahrtechnik vom Radfahrer zum E‐Biker

Wie für jeden anderen Radler auch, gelten für E-Biker die Regeln der Physik und der Straßenverkehrsordnung. Wer letztere beachtet und erstere nutzt, wird mit dem Pedelec viel Freude erfahren.

Wie bei allen technischen Geräten steht auch vor der Inbetriebnahme eines E-Bikes das genaue Studium der Betriebsanleitung. Im Fahrbetrieb verhält sich das Elektrorad ähnlich dem klassischen Velo gleicher Radgattung, nur kommt der Schub hinzu. An diesen Effekt gewöhnt man sich schnell, am besten beginnt man mit den niedrigen Unterstützungsstufen in einem verkehrsberuhigten Umfeld. Auch spezielle Fahrtechnikkurse können im ersten Schritt helfen.

Vorausschauendes Fahren

Umsicht ist das A und O bei der Teilnahme im Straßenverkehr. Gerade der E-Bike-Fahrer tut gut daran, Situationen schnell einzuschätzen, um adäquat reagieren zu können. Denn andere Verkehrsteilnehmer assoziieren mit dem Anblick eines Radlers keine hohen Geschwindigkeiten. Das fällt etwa in Vorfahrtsituationen ins Gewicht – ein wartepflichtiger Autofahrer, der sich vor einem eher langsamen Radfahrer noch ganz gut einfädeln könnte, verschätzt sich beim E-Biker möglicherweise. „Für andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken ist auch beim E-Bike-Piloten enorm wichtig. Vor allem, wenn man als S-Pedelec-Fahrer jenseits der 30 Stundenkilometer unterwegs ist. Diese Geschwindigkeiten werden oft unterschätzt“, so die Experten.

Übersetzt man diesen Sachverhalt in Fahrtechnik, so ergibt sich folgende Grundregel: Die Blickrichtung entscheidet, wohin wir fahren und lässt uns Fahrsituationen entsprechend einschätzen. Wer den Kopf vom Vorderrad löst und voraus schaut, fährt sicherer. Für eine Kurvenfahrt bedeutet das: Man dreht Kopf und Oberkörper aktiv in die Kurvenrichtung und schaut frühzeitig aus der Kurve hinaus. So meistert man übrigens auch enge Kurven.

Richtig bremsen

Leicht höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten und das Mehrgewicht von Motor und Antrieb verlangen eine stetige Bremsbereitschaft und eine saubere Technik bei einer Vollbremsung. Um ein Gefühl für das Bremsverhalten des Zweirads zu bekommen, hilft zunächst ein bewusstes Blockieren des Hinterrads. Wer weiß, wie sich ein ausbrechendes Hinterrad anfühlt, weiß es auch zu beherrschen. Bricht das Hinterrad zu stark aus, einfach die Bremse lösen und das Rad zieht wieder in seine gewohnte Bahn.

Einen möglichst kurzen und dabei sicheren Bremsweg erreicht man aber erst durch den gleichzeitigen Einsatz von Vorder- und Hinterradbremse. Im Vorfeld muss sich der Fahrer im Klaren darüber sein, welcher Hebel welche Bremse betätigt. Die größte Verzögerungskraft baut übrigens die Vorderradbremse auf, bei falscher Dosierung wirft sie einen aber auch aus dem Sattel. Es gilt, sich an die optimale Dosierung durch mehrfaches Üben heranzutasten, denn viele E-Bikes haben mittlerweile hydraulische Bremssysteme, die für umsteigende Fahrer ungewohnt sein können. Im Idealfall überträgt die Vorderradbremse zwei Drittel der gesamten Bremskraft. Doch nicht nur die Armkraft, auch der Untergrund entscheidet über das Verhalten des Vorderrads. Auf glattem oder rutschigem Untergrund dosiert man die Vorderradbremse möglichst behutsam und vorsichtig. Zusätzlich auf Nummer sicher geht, wer ein Rad mit ABS kauft. Die Idee stammt aus dem Motorradbereich: Bei kniffligen Bremsvorgängen wird die Bremskraft der Vorderradbremse dosiert, sodass ein Blockieren oder ein Sturz über den Lenker vermieden wird.

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