Weihnachtsgrüße aus Bitburg und der VG Bitburger Land

Heiligabend 1998/99


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Im Winter 98/99 hatten mein Mann und ich das Glück, an einer Südamerika-Rundreise teilzunehmen. Einen Tag vor Heiligabend war Lima auf dem Programm. Wir hatten ein Zimmer mit Blick auf den Marktplatz. Die Nacht verlief ruhig, doch früh um 6 Uhr hörte ich laute Geräusche, im Hof war ein blaues Auto von Unicef, es wurden Tische, Stühle und Kisten ausgeladen. Doch was war das? An einer langen Mauer entlang stand eine unübersehbare Schlange von Indio-Frauen, brav hintereinander. Jede Mutter hatte ein- zwei Kinder an der Hand, viele noch ein Baby im Umschlagtuch auf dem Rücken.
Man hörte kein Laut – auch von den Kindern. Aber was läuft da ab? Unterm Dach – es nieselte leicht – saß am Tisch eine blonde Dame, ein junger Mann etwas vorne auf einem Stuhl. Die Frauen kamen langsam heran, jede musste den Zeigefinger in ein Stempelkissen drücken, die Kinder auch und sogar das Babyfingerchen wurde aus dem Umschlagtuch geholt.
Einen Schritt weiter bekamen alle einen Einback und eine kleine Tüte Kakao, die Mädchen eine Barby-Puppe und die Jungens ein kleines Plastikauto. Am meisten bewegte es mich, als die etwas Größeren an einer Pfütze versuchten, mit Sand und Wasser den Finger zu säubern. Es wäre ja die Chance, noch einmal etwas zu bekommen.
Als wir nach einem Stadtrundgang um 12 Uhr wieder ins Hotel kamen, stand immer noch ein kleiner Rest in der Schlange. Diese Indio-Mütter kommen mir manchmal in den Sinn, wenn in der hektischen lauten Vorweihnachtszeit die vollen Einkaufstüten durch die Stadt eilen. Wer würde heute fünf und mehr Stunden anstehen für einen Einback und einer kleinen Tüte Kakao?

Erika Dülmer, Trier

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