Unfall – Was tun?

Schadenfreiheitsrabatt retten – so geht’s

Nach einem Unfall gibt es viel zu regeln. Foto: ©istockphoto/Tom Merton

Ein Unfall ist immer ärgerlich. Erst gibt es Stress mit dem Unfallgegner, dann reißt die Reparatur ein kräftiges Loch ins Budget, und zum Schluss stuft die Versicherung den Autofahrer nach der selbst verschuldeten Karambolage noch im Schadenfreiheitsrabatt zurück. Die Versicherungsprämie im Folgejahr steigt um ein erkleckliches Sümmchen.
Zur Erinnerung: Mit dem Schadenfreiheitsrabatt belohnen Versicherer Autofahrer, die unfallfrei unterwegs sind. Wer ohne Blessuren durchs Jahr gekommen ist, klettert eine Stufe höher und spart Geld.
Das Rabattsystem gibt es in der Haftpflicht- und in der Vollkaskoversicherung, also für Risiken, die der Autofahrer selbst beeinflussen kann. Jede Versicherung hat ihr eigenes System. Die schlechte Nachricht: Einmal runtergestuft dauert es mehrere Jahre und viel Geld, bis man wieder auf dem Niveau landet, auf dem man vor dem Unfall eine günstige Prämie erfahren hatte. Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten, den Rabatt zu retten.


Schaden selbst zahlen

Es lohnt sich, bei kleineren Reparaturen den Schaden selbst zu bezahlen – rein rechnerisch eine nicht ganz einfache Sache. Sogenannte Rückkauf-Rechner, unter anderem von den Versicherern selbst, geben Hilfe. Die spucken aus, bis zu welcher Summe das Zahlen Sinn macht. Der Autofahrer hat nach der Schadenmeldung dann je nach Anbieter ein halbes bis ein Jahr Zeit, den Schaden „zurückzukaufen“. Das klappt allerdings nur, wenn innerhalb eines Jahres nur ein Schaden reguliert wurde.


Rabattschutz abschließen

Der Rabattschutz ist eine Option, die Autofahrer in der Haftpflicht- und Kaskoversicherung zusätzlich buchen und damit eine Rückstufung des Schadenfreiheitsrabattes nach einem selbst verschuldeten Unfall verhindern können. Die Verkehrssünder haben damit mindestens einen Schaden pro Jahr frei. Die Konditionen der Versicherungen variieren und stehen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

In älteren Verträgen schützt ein Rabattretter vor dem Prämienanstieg. Er gilt ab Schadenfreiheitsklasse 25. Der Unfallfallverursacher wird dabei nur soweit heruntergestuft, dass die Prämie nicht steigt. Weil in höheren Schadenfreiheitsklassen der Beitragssatz oftmals gleich ist, rutscht man eventuell eine Klasse tiefer, zahlt aber denselben Betrag.

Versicherung wechseln

Nach einem Unfall können Versicherer und Versicherte den Vertrag kündigen. Die Rückstufung schlägt bei einem neuen Anbieter eventuell nicht so sehr ins Kontor. Es ist also einen Check auf den Internetportalen wert, den Anbieter zu wechseln.

Weg mit Kratzern, Dellen, Löchern

Auf planen Flächen wie Motorhaube oder großen Türflächen fallen viele Ausbesserungen negativ auf. Experten empfehlen beispielsweise den Gang zum Lackierer, wenn die Schadstelle kleiner als eine Handfläche misst. Foto: ProMotor

Kleine Schäden, große Wirkung: Vor einem halben Jahr noch war der winzige Steinschlag am Kotflügel kaum der Rede wert. Jetzt aber fällt der Blick bereits bis auf die Grundierung. Höchste Zeit, das Loch zu stopfen, bevor es rostet.
Möglichkeiten, solche Blessuren zu glätten, gibt es viele: Teiletausch, Selbermachen, das sogenannte Smart Repair.
Welche Reparaturmethode das Auto letztendlich straßenschön und verkaufstauglich macht, hängt von Größe und Art des Schadens, vom Fahrzeug sowie nicht zuletzt von der Qualität der Arbeit ab.
Den Lackpinsel sollten nur Autofahrer schwingen, die ihre älteren Fahrzeuge im Wortsinne gebrauchen. Eine teure Reparatur rechnet sich wirtschaftlich ebenso wenig wie ein Verkauf oder eine Inzahlungnahme – die Ausbesserungen stechen ins Auge und drücken den Preis zusätzlich.
Oft verschwinden kleine Kratzer und Schrammen auch mit Polierpaste. Vorausgesetzt, der Schaden reicht nicht bis auf die Grundierung oder sogar aufs Blech. Das stoppt Feuchtigkeit und verhindert Korrosion.


Smart Repair: die günstige Alternative

Die Mission der Kfz-Profis: Sie reparieren akribisch kleine Schäden auf Lack, Glas, Kunststoff und Polster. Dellen werden mit Hebeln rausgedrückt, Lackkratzer mit Airbrush behandelt und Steinschläge in der Frontscheibe mit Kunstharz aufgefüllt und unter UV-Licht ausgehärtet. Löcher in Polstern stopfen die Autokünstler mit Füllmasse und Sprühpistole. Nichts muss ausgebaut werden, die Profis arbeiten mit Spezialwerkzeug schnell und kostengünstig.
Für die Reparatur eines Kratzers im Kotflügel zahlen die Kunden nur rund ein Drittel der Kosten im Vergleich zum Teiletausch mit anschließender Lackierung. Beim Aushebeln der Delle liegt das Sparpotenzial noch höher. Und wer den Steinschlag ausharzen lässt, geht sogar kostenlos aus dem Rennen. Das geht jedoch nur, wenn sich der Schaden nicht im Sichtfeld des Fahrers befindet. Dann muss die Scheibe getauscht werden. Jeder Schaden ist individuell und muss einzeln begutachtet werden. Ein zündendes Verkaufsargument ist Smart Repair allemal.
Wer jetzt denkt, das kann jeder – weit gefehlt! Für die Kunst am Auto sollten die Anbieter die Schulbank drücken, mit Spezialwerkzeugen arbeiten können und Erfahrungen sammeln.


Teiletausch: alt gegen neu

Er behauptet sich da, wo Smart Repair an Grenzen stößt – das sind in der Regel alle großflächigen Schäden. Experten empfehlen beispielsweise den Gang zum Lackierer, wenn die Schadstelle kleiner als eine Handfläche misst. Auch auf planen Flächen wie der Motorhaube fallen viele Ausbesserungen negativ auf. Und ganz klar: Reicht der Kratzer bis aufs Blech, muss getauscht werden.
Der Teiletausch garantiert eine hundertprozentige Wiederherstellung, die bei Neu- und Leasingfahrzeugen nicht nur verkaufsentscheidend ist, sondern auch Auswirkungen auf die Durchrostungsgarantie haben kann.


Die Kosten – ein Fall für die Versicherung

Ob nun Teiletausch oder Smart Repair, teuer oder günstig – die Versicherer honorieren einige Reparaturen. Auf Glasschäden mit Ausnahme von Kratzern bleibt kein Autofahrer mit einer Kaskoversicherung sitzen. Egal, wie sie entstanden sind. Bei Smart Repair übernimmt die Versicherung sogar die vereinbarte Selbstbeteiligung, und um die Regulierung müssen sich die Geschädigten auch nicht kümmern. Die übernimmt die Werkstatt. Ebenso versichert sind Hagelschäden.

Related