Der Reisetipp der Woche

Miami/Tampa/HAVANNA

Wasser ├╝berflutet in Bonita Springs (Florida) die Meadow Lane (linkes Bild). Der Hurrikan Irma hat den US-Staat Florida mit voller Wucht erfasst. In Havanna (Kuba) waten Menschen ├╝ber eine ├╝berflutete Stra├če. Irma hat auch in Kuba schwere Sch├Ąden verursacht. Fotos (2): dpa
12.09.2017

Miami/Tampa/HAVANNA (dpa) Mit Urgewalt ist Hurrikan Irma ├╝ber Florida hinweggezogen und hat schwere ├ťberflutungen mit sich gebracht. Der Sturm riss in vielen Teilen des US-Bundesstaates D├Ącher von H├Ąusern und kappte Stromleitungen. Es gab Berichte ├╝ber Pl├╝nderungen und Einbr├╝che. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. Nach Angaben des Katastrophenschutzes waren am Montag 5,8 Millionen Haushalte in Florida von der Stromversorgung abgeschnitten ÔÇô mehr als die H├Ąlfte (58 Prozent) aller Haushalte in dem Bundesstaat.

Nach dem Sturm ist vor dem Aufr├Ąumen: Wie gro├č die Sch├Ąden am Ende sein werden, ist noch v├Âllig unklar ÔÇô es wird aber wohl um viele Milliarden US-Dollar gehen. Irma war so gro├č, dass sie die gesamte Halbinsel ├╝berdeckte.

Am Montag richteten sich einmal mehr bange Blicke an die Ostk├╝ste Floridas und die weiter n├Ârdlich gelegenen K├╝sten Georgias und South Carolinas. Mittlerweile zum tropischen Sturm herabgestuft, dr├╝ckte Irma Wassermassen h├╝fthoch in die Stadt Jacksonville und bedrohte auch Orte wie Savannah oder Charleston.

Das Hurrikanzentrum berichtete, Irma werde bis Dienstag mit 30 Kilometern pro Stunde Richtung Georgia ziehen und am Dienstag Alabama erreichen. Dort wird sich der Sturm weiter abschw├Ąchen. ├ťber Festland verlieren Hurrikane Energie. Das Hurrikanzentrum stuft den Sturm dann herunter.

US-Medien schilderten aus mehreren St├Ądten an der Ostk├╝ste Floridas ├ťberf├Ąlle, viele der T├Ąter seien bewaffnet. Die Polizei von Miami meldete 28 Festnahmen von mutma├člichen Pl├╝nderern. Der umliegende Bezirk hatte eine Ausgangssperre bis 7 Uhr Ortszeit verh├Ąngt. In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17 Jahre alter Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen.

In Miami w├Ąlzten sich Wassermassen durch die Altstadt und das Bankenviertel. Auf Bildern und Videos war zu sehen, wie der Sturm das Wasser in die Stadt dr├╝ckte und gro├če Stra├čen zu rei├čenden Fl├╝ssen machte. Auch aus der zentral gelegenen Gro├čstadt Orlando berichteten lokale Medien und Augenzeugen auf Twitter von h├╝fthohem Wasser.

Vor Irmas Eintreffen waren mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre H├Ąuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Es war eine der gr├Â├čten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. In 64 der 67 Bezirke Floridas waren insgesamt 573 Notunterk├╝nfte eingerichtet worden. Dort hatten mehr als 155 000 Menschen ausgeharrt. Sie begannen am Montag, Schulen, Kirchen und Sportarenen zu verlassen und sich auf den Weg nach Hause zu machen.

Irma hatte am Sonntag die S├╝dspitze Floridas mit der zweith├Âchsten Stufe 4 erreicht. Es wurden B├Âen von bis zu 229 Stundenkilometern gemessen. Der Hurrikan hatte zuvor Kuba und andere Teile der Karibik heimgesucht.

W├Ąhrend Irma an der Atlantikk├╝ste f├╝r ├ťberschwemmungen sorgte, ging das Wasser an der Golfk├╝ste im Westen zun├Ąchst eindrucksvoll zur├╝ck. Die Meteorologen warnten aber eindringlich, dass das Wasser in einer Welle zur├╝ckkommen werde, nachdem das Auge des Wirbelsturms durchgezogen sei. Der Sender ABC berichtete von f├╝nf Toten, die in Florida bei Autounf├Ąllen starben oder tot in ihren H├Ąusern gefunden wurden. Die New York Times schrieb von vier Toten. Die Zahlen k├Ânnten noch steigen.

US-Pr├Ąsident Donald Trump k├╝ndigte an, m├Âglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Sch├Ąden zu machen. Bereits bevor Irma aufs Festland getroffen war, hatte Trump eine Notfall-Deklaration erlassen. Sie erm├Âglicht Florida finanzielle Hilfen der Bundesregierung.

Im Zentrum von Havanna, wo normalerweise Touristen flanieren, paddeln Kinder jetzt auf Planken durch die ├╝berfluteten Gassen. Feuerwehrleute machen eine Raucherpause, streifen ihre Gummistiefel ab und sch├╝tten das Wasser aus. ÔÇ×Das ist ein ziemliches DesasterÔÇť, sagt Enrique Hidalgo im Fernsehsender Prensa Latina. ÔÇ×Ich lebe schon mein ganzes Leben hier. Verglichen mit anderen St├╝rmen war das ganz sch├Ân heftig.ÔÇť

Der Hurrikan Irma ist mit zerst├Ârerischer Kraft ├╝ber Kuba hinweggezogen. Zehn Menschen kamen auf der Karibikinsel ums Leben, zahlreiche H├Ąuser sind besch├Ądigt. Vor allem im historischen Zentrum von Havanna hielten viele bauf├Ąllige Geb├Ąude den Sturmb├Âen nicht stand. Zwei Frauen wurden erschlagen, als im vierten Stock ein Balkon abbricht und auf ihren Bus st├╝rzt. An der ber├╝hmten Uferpromenade Malec├│n treffen sich sonst Liebesp├Ąrchen zum Rendezvous, Angler h├Ąngen ihre Leinen ins Wasser, Touristen fotografieren den Sonnenuntergang. Als Irma auf Havanna trifft, wird es hier ungem├╝tlich: Bis zu neun Meter hohe Wellen peitschen ├╝ber die Stra├če. Soldaten und Zivilschutz-Helfer fahren mit Motorbooten durch die Stra├čen, um vom Wasser eingeschlossene Menschen aus ihren H├Ąusern zu holen.