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Menschen helfen Menschen: Der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer Prüm feiert seinen 30. Geburtstag

30.08.2017

Seit der Gründung im Jahr 1987 kümmern sich die Mitglieder des Betreuungsvereins um Menschen, die den Alltag alleine nicht bewältigen. Die Gründe dafür seien vielfältig, erzählen Reinhold Seiwert und Dominik Kirschbaum, zwei der fünf hauptamtlichen Mitarbeiter und Ansprechpartner für alles was den Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) betrifft. „Alter, Krankheit, eine körperliche oder geistige Behinderung erschweren die Organisation des täglichen Lebens“, sagt Dominik Kirschbaum.

Betreuung für 320 Menschen

Insgesamt 320 Menschen wer-den aktuell von den ehrenamtlichen Mitgliedern und den fünf hauptamtlichen Mitarbeitern betreut – das Gebiet, in dem der SKFM tätig ist, umfasst den Altkreis Prüm mitsamt der Oberen Kyll. „Es sind gefühlt mehr Fälle, als in der Vergangenheit“, erzählt Reinhold Seiwert.

Ein Grund sei sicherlich der demographische Wandel, aber zugenommen hätte auch die Hilfsbedürftigkeit unter jungen Menschen: „Ursachen sind beispielsweise Drogensucht oder Psychosen nach Missbrauchsfällen. Es ist oft sehr schwierig, den jungen Leuten wieder zurück ins Leben zu helfen.“

Besonders harte und belastende Fälle quer durch alle Altersschichten hindurch über-nehmen die hauptamtlichen Mitarbeiter des SKFM, und sie helfen den Ehrenamtlichen, die eine Betreuung übernehmen möchten, sich in ihre Aufgabe einzuarbeiten. „Dazu bieten wir zunächst eine persönliche Beratung, aber auch Schulungskurse an“, erklärt Kirschbaum. „Aber wir begleiten sie durchaus auch zu den Menschen, die sie betreuen sollen. Es ist wichtig, dass die Chemie zwischen dem Betreuten und dem Betreuer stimmt.“

So wenig, wie möglich, so viel, wie gewollt

Die Kunst sei zu erkennen, wie viel Hilfe wirklich vonnöten ist, sagt Seiwert: „So wenig, wie möglich, so viel, wie gewollt.“ Die Begleitung und Beratung während der Betreuung schließt Informationsabende, regelmäßigen Erfahrungsaustausch und Fortbildungsabende zu medizinischen, rechtlichen und pädagogischen Themen mit ein.

Das höre sich alles nach einer Menge Arbeit an, gibt der Sozial-Pädagoge Dominik Kirschbaum zu, „aber nach einer Einarbeitung in den Betreuungsfall bleiben noch eineinhalb bis zwei Stunden, die wöchentlich aufgewendet werden sollten.“

Zu Beginn sei recht viel Schreibkram zu erledigen, denn der Betreuer übernehme schließlich die rechtliche Vertretung seines Schützlings. „Da gilt es in Verbindung mit den Banken, Versicherungen und möglichen Gläubigern zu treten. Im ungünstigsten Fall bedeutet das, alles aufzuarbeiten, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist.“

Übrigens seien die genannten Schulungen keine Bedingung für die Übernahme einer Betreuung: „Wir können auch in einem persönlichen Gespräch die wichtigsten Eckdaten klären – und bei Unsicherheiten ist es jederzeit möglich, nachzufragen“, sagen Kirschbaum und Seiwert.

Hilfestellung für Betreuer und Co.

Oft seien es ja die Verwandten, die gerne die Pflicht übernehmen, ihre Angehörigen zu pflegen und die Angebote wahrnehmen, die sie als Mitglieder des SKFM in Sachen Weiterbildung haben. „Immer wichtiger wird daher die Beratung zur Vorsorgevollmacht, zur Betreuungs- und Patientenverfügung.“ Denn der Ehegatte, oder die Kinder gelten nicht automatisch als gesetzliche Vertreter oder Bevollmächtigte. „Wenn es im Falle des Falles keine solche Verfügung gibt, wird eine Betreuerin oder ein Betreuer vom Gericht eingesetzt“, erklärt Seiwert. Damit sei nicht gesagt, dass ein vom Gericht bestellter Betreuer über die Köpfe der Angehörigen hinweg entscheiden würde: „Doch es macht die Angelegenheit um einiges komplizierter.“

Wichtiger Rat der Profis

Deshalb lautet der Rat der Profis beim SKFM: Informieren Sie sich rechtzeitig, lassen Sie sich von uns beraten und sorgen sie vor, indem sie Voll-machten und Verfügungen früh genug abschließen.“

Vorbildliche Zusammenarbeit

In den 30 Jahren seiner Bestehens habe es im Betreuungsverein stets enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem ehrenamtlichen Vorstand und den hauptamtlichen Mitarbeitern gegeben, die vorbildlich sei, sagen Seiwert und Kirschbaum. „Waltraud Schaal und Elfriede Esch sind seit Beginn mit dabei, Arnold Kleis, Michael Fischer und Monika Köller seit langen Jahren – das ist eine Konstante, die die Arbeit sehr erleichtert.“

Einfühlungsvermögen sei gefragt

Dass für ein Ehrenamt, das sehr viel Einfühlungsvermögen in eine manchmal fremde Person erfordert, bestimmte menschliche Voraussetzungen erfüllt sein müssten., glauben die SKFM-Profis nicht. „Unsere Ehrenamtler sind aus verschieden Gründen sehr engagiert. Sie sind hilfsbereit, wollen sich vielleicht um einen lieben Nachbarn kümmern, eine Aufgabe im Rentenalter übernehmen, oder einfach etwas sinnvolles tun. Das unterstützen wir selbstverständlich sehr gerne.“

Am 15. September feiert der SKFM mit seinen Mitgliedern deren Zahl inzwischen bei 300 liegt, das 30. Jahr seines Bestehens. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es 40 Mitglieder. Für die Zukunft wünschen sich Reinhold Seiwert und Dominik Kirschbaum mitsamt dem ganzen Team, dass weiterhin viele ehrenamtliche Betreuer ihren Weg zum SKFM finden. Um auch weiterhin gute Arbeit für Menschen mit Behinderungen, alten Menschen und sonstigen Hilfsbedürftigen leisten zu können, sind die haupt- und ehrenamtlichen Betreuer auf Förderungen von Land und Kommunen angewiesen, deren Höhe jedes Jahr erneut auf der Kippe steht und verhandelt werden muss.

„Dazu haben auch die Pauschalen der hauptamtlichen Betreuer seit 2005 keine Erhöhung erfahren. Insgesamt ist das ein schlechtes Aushängeschild unserer Gesellschaft“, sagt Reinhold Seiwert.