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Erben und Vererben

So sichert man sein Vermächtnis

18.04.2017

Der Tod ist nicht planbar, das Vermächtnis schon. Dennoch zögern viele Menschen damit, ein Testament zu verfassen. Aber eine solide Nachlassplanung trägt der persönlichen Lebens-, Familien- und Vermögenssituation Rechnung. Ein Testament in der Schublade vermittelt ein gutes und sicheres Gefühl.

Professionelles Nachlassmanagement

Viele Menschen sind erleichtert, wenn sie mit der Unterstützung eines erfahrenen Spezialisten ihr Erbe geregelt haben. Die Experten agieren hierbei mit Einfühlungsvermögen, Geduld, Kompetenz und einer individuell angepassten Strategie zur soliden und nachhaltigen Regelung der Vermögenswerte.

Dies gilt nicht nur für die Nachlassplanung, sondern auch für die Nachlassabwicklung und die Nachlassauseinandersetzung, also der Teilung des Nachlasses bei Erbengemeinschaften. Viele denken, mit dem Erbschein sei alles geregelt, doch das stimmt so nicht. Der Erbschein weist lediglich den Erben mit seinem Erbteil aus. Damit beginnt die Arbeit am und im Nachlass – und genau an dieser Stelle setzt professionelles Nachlassmanagement an.

Was Erben wissen sollten

Im Erbfall muss der Erbe den Nachlass in Besitz nehmen, das heißt sichten, sichern und verwalten. Nachlassverwaltung ist eine Herausforderung, der man sich selbst stellen kann, aber nicht stellen muss. Warum sollte man sich mit der Verwaltung eines „fremden“ Vermögens belasten, wenn man die eigene Steuer und Verwaltung gerne mal auf später verschiebt oder Profis anvertraut?

Ein neutraler Nachlass-Spezialist kann hier helfen. Er wird beispielsweise erklären, dass das Erbe zwar in das eigene Vermögen übergeht, dass Erbengemeinschaften aber nur gemeinsam handeln dürfen: Jede Verfügung ist abzustimmen und gemeinsam auszuführen. Das kann sich als schwierig herausstellen, wenn die Miterben an unterschiedlichen Orten leben, sich zum Teil gar nicht kennen, oder sogar schon Streit über das Erbe ausgebrochen ist.

Sinnvolle Perspektiven schaffen

Ein Erbfall kostet Kraft. Erben belastet, emotional, zeitlich und wirtschaftlich. Doch Nachlassabwicklungen und Erbauseinandersetzungen können mit professioneller Unterstützung für die Betroffenen respektvoll, schnell und fair geregelt werden. Das Ergebnis: eine rechtlich wirksame, solide und persönlich tragbare, verbindliche Auseinandersetzungsvereinbarung. Aus dem Erbe wird ein Vermächtnis im Sinne eines Geschenks.

Kanzleien erarbeiten Lösungen in respektvollem Austausch mit den Erben und schaffen damit die Voraussetzungen für eine gütliche Einigung als sinnvolle Perspektive. Auf diese Weise wird ein gutes Andenken an den Verstorbenen möglich. Denn niemand möchte vergessen werden. Nachlassexperten sorgen dafür, dass Menschen in guter Erinnerung bleiben.

Nach bereinigten Familienstreitigkeiten bestehende Testamente überprüfen

18.04.2017

Wird ein Kind wegen eines Streits durch ein gemeinschaftliches Testament der Eltern von der Erbfolge ausgeschlossen und wird nach der Versöhnung das Testament nicht geändert, kann nur die Feststellung des eindeutigen Willens der Erblasser sicherstellen, dass das Kind als Erbe ausgeschlossen bleiben sollte oder dass das Testament wegen eines Motivirrtums der Eltern anfechtbar ist. Allein das Weiterbestehen des Testaments erlaubt laut Bundesgerichtshof BGH keine Rückschlüsse.

Fallbeispiel

1977 erstellten die Eltern ein gemeinschaftliches Testament, in dem sie eine ihrer beiden Töchter von der Erbfolge als Schlusserbin ausnahmen. Nachdem die Mutter 2012 starb, beantragte die nicht von der Erbfolge ausgeschlossene Tochter aufgrund des Testaments einen Alleinerbschein. Dem trat die andere Tochter entgegen. Sie focht das Testament wegen Motivirrtums der Eltern an, denn schon 1978 hätten sich die Eltern wieder mit ihr versöhnt. Das gemeinschaftliche Testament der Eltern blieb aber unverändert bestehen. Die unteren Instanzen gaben der bevorzugten Tochter Recht. Dagegen wehrt sich die anfechtende Tochter mit der Revision zum BGH.

Entscheidung

Der Motivirrtum ist ein Irrtum über den Beweggrund der Enterbung. Ein solcher würde vorliegen, wenn die Eltern die Tochter nach der Versöhnung gar nicht mehr hätten enterben wollen, es aber quasi nur vergessen haben, das Testament entsprechend abzuändern. Dass sie das gemeinschaftliche Testament bestehen ließen, obwohl sie es grundsätzlich bis zum Tod des Erstversterbenden hätten widerrufen oder gemeinsam neu fassen können, kann nicht als Indiz für die Beibehaltung der Enterbung der Tochter gewertet werden. Vielmehr kommt es auf den tatsächlichen Willen des Erblassers an. Dieser setzt voraus, dass die Erblasser das gemeinschaftliche Testament trotz Kenntnis von der Versöhnung bestehen lassen wollten und es nicht aus Nachlässigkeit, Passivität oder sonstigen Gründen unverändert blieb. Ohne solche Feststellungen zum Willen des Erblassers kann aus dem Umstand, dass das Testament weiter existierte, nicht geschlossen werden, der Erblasser habe das Testament bestätigt oder der behauptete Motivirrtum sei unbeachtlich gewesen. Diese Feststellungen wurden vom Berufungsgericht nicht getroffen. Der BGH hob das Berufungsurteil auf und verwies die Sache zur weiteren Verhandlung zurück.

Tipp des Experten

Bei familiären Konflikten wird oft über Freude an der neu entstandenen Harmonie vergessen, dass in der Vergangenheit weitreichende rechtliche Entscheidungen – wie ein gemeinschaftliches Testament – getroffen wurden. Diese können inzwischen dem Willen der Erblasser nicht mehr entsprechen. Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge Jan Bittler rät deshalb: „Testamente verschwinden nach ihrer Erstellung gerne in Ordnern oder werden zur Aufbewahrung beim Nachlassgericht hinterlegt. So geraten sie aus dem Blickfeld der Verfasser. Sie sollten von Zeit zu Zeit auf ihre Aktualität überprüft werden – auch außerhalb von bereinigten Familienstreitigkeiten.“ Quelle: DVEV