Bauen – Wohnen – Leben

Anbauen, aufstocken, Wohnraum schaffen?...

28.03.2017

Die Kinder werden grĂ¶ĂŸer, die eigenen Eltern wollen miteinziehen, das Homeoffice expandiert oder man möchte sich mehr eigenen Raum gönnen. Jetzt sind clevere Lösungen gefragt, um Kosten zu sparen und Raum zu gewinnen.

Ende 2014 lag die durchschnittliche WohnflĂ€che pro Einwohner in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei 46,5 Quadratmetern, Tendenz steigend. Der Platzbedarf wĂ€chst – doch auch bei begrenzter GrundflĂ€che gibt es viele Möglichkeiten.

Anbau

Ist eine von der Statik des Haupthauses unabhÀngige Lösung geplant, kann diese relativ einfach umgesetzt werden. Geht es um die Verbreiterung des BestandsgebÀudes, wird es dagegen kompliziert.

„Das Versetzen von Außenmauern und Änderungen an der Dachkonstruktion sprengen schnell das geplante Budget. Hier ist Beratung durch Profis nötig“, sagt RĂŒdiger Grimmert von der BHW Bausparkasse.

Dachaufstockung

Über 1,5 Millionen Wohnungen könnten durch Dachaufstockungen in MehrfamilienhĂ€usern in Deutschland entstehen, stellt eine Studie der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover fest. Eine Geschossaufstockung in Holzrahmenbauweise kann eine schnelle und gĂŒnstige Lösung sein. Da sich viele Teile vorfertigen lassen, sind Bauzeit und -ablauf gut planbar. „Bei Aufstockungen sollten EigentĂŒmer prĂŒfen, ob die AbstandsflĂ€chen eingehalten werden“, so der BHW Experte. „Gegebenenfalls mĂŒssen Nachbarn der Baugenehmigung zustimmen“

Wintergarten

Geht es um mehr Wohnkomfort, kann auch ein Wintergarten die richtige Lösung sein. Der Wohnwintergarten dient als Erweiterung des Wohnraums und ist auch vom Haus aus begehbar. Damit mĂŒssen Hausbesitzer Bodenaufbau und Heizung an den Innenraum anpassen. Ein Kaltwintergarten steht dagegen entweder fĂŒr sich selbst oder ist an einer Hauswand montiert. Eine Heizungsanlage braucht es nicht.

Gartenhaus

Meist ist das Gartenhaus nur ein Abstellplatz fĂŒr RasenmĂ€her, Spaten und Blumentöpfe. Mit etwas Aufwand kann daraus aber auch ein temporĂ€rer Wohn- oder Arbeitsraum werden. Auf dem Markt gibt es flexible Komplettlösungen ab 2.000 Euro pro Quadratmeter – etwa als Anbau oder als externes Minihaus. Sobald das Wohnelement an Wasser und Strom angeschlossen ist, ist es ein vollwertiger Wohnraum.

Tipps fĂŒr den Umgang mit der Behörde

Ausbauten und Erweiterungen von BestandsgebĂ€uden sind in der Regel genehmigungspflichtig. Was Bauherren wissen mĂŒssen, um mit der Behörde klarzukommen.

1. Die Landesbauordnungen enthalten Vorschriften zu erforderlichen AbstandsflÀchen, zu Raummindesthöhen, aber auch zum Brandschutz und zur Beschaffenheit der einzelnen Bauteile.

2. Kommunale BebauungsplÀne regeln die zulÀssige Anzahl der Geschosse, die maximale GeschossflÀche und GrundflÀche, die Traufhöhe und die Dachneigung.

In örtlichen Gestaltungssatzungen kann zudem verbindlich festgelegt sein, wie groß Gauben, Erker oder Fenster sein dĂŒrfen.

3. Gibt es keinen Bebauungsplan, entscheidet die Baugenehmigungsbehörde nach § 34 Baugesetzbuch, ob die geplanten Umbauten genehmigungsfĂ€hig sind oder nicht. Ausschlaggebend ist, dass sich die Neuplanung maßvoll in die bestehende Bebauung einfĂŒgt.

4. Bei umfangreichen Baumaßnahmen sollte man einen Architekten ins Boot holen, denn es gilt, die statischen wie auch die Anforderungen nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu beachten.

Architekten sind auch die richtigen Fachleute fĂŒr die spĂ€tere Ausschreibung und die Überwachung der Bauleistungen. Entsteht durch die Baumaßnahmen eine Einliegerwohnung, können Bau- und Unterhaltungskosten steuerlich geltend gemacht werden.

5. Die Bauaufsichtsbehörde muss spĂ€testens drei Monate nach Eingang der vollstĂ€ndigen Bauvorlagen ĂŒber die Genehmigung entscheiden. Die Baugenehmigung erlischt nach drei Jahren, sofern in dieser Zeit nicht mit der BauausfĂŒhrung begonnen wurde.