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STEUERBERATER IN IHRER NÄHE

Steuerreform: Grenzgänger müssen mehr zahlen

25.02.2017

Die Luxemburger Steuerreform betrifft viele Grenzgänger aus der Region. In diesem Jahr gibt es zunächst Steuererleichterungen. Die Abzugsbeträge erhöhen sich beispielsweise für Bausparkassenbeiträge und Eigenheimzinsen. Außerdem ist die Steuertabelle angepasst worden. Nahezu alle Grenzgänger profitieren in diesem Jahr von höheren Nettolöhnen. Ab dem Jahr 2018 sieht das aber anders aus.

 

 

Viele Luxemburg-Pendler müssen damit rechnen, dass sie spätestens 2018 weniger in der Tasche haben. Über die Auswirkungen der Steuerreform informierten sich kürzlich auch zahlreiche Volksfreund-Leser bei einer Info-Veranstaltung. Die meisten der 100 TV-Leser, die an diesem Abend ins Medienhaus gekommen sind, dürften froh sein, in Luxemburg zu arbeiten oder einen Partner zu haben, der dort sein Geld verdient. Weniger Steuern, geringere Sozialabgaben. Unterm Strich bleibt beim gleichen Bruttoverdienst wie in Deutschland bei einem Job jenseits der Grenze mehr im Geldbeutel. Noch! Denn mit der in diesem Jahr in Kraft getretenen zweistufigen Steuerreform wird sich für alle verheirateten Grenzgänger, bei denen ein Partner in Deutschland arbeitet, ab 2018 der Nettoverdienst ändern.

 

Ihre steuerlichen Abzüge werden sich erhöhen. Zwischen 150 und 400 Euro je nach Verdienst könnten es weniger sein, sagt der Trierer Steueranwalt und Experte für Grenzgängerfragen, Stephan Wonnebauer bei der Infoveranstaltung TV Wissen wie. Doch zunächst sorge die Steuerreform in diesem Jahr dafür, dass die meisten Arbeitnehmer in Luxemburg, also auch die Pendler, etwas mehr in der Tasche hätten. Durch Änderung der Steuersätze, würden Normalverdiener entlastet, sagt Wonnebauer. Bei einem Bruttoverdienst von 2700 Euro im Monat spare ein lediger Arbeitnehmer über 800 Euro Steuern im Jahr, ein Alleinverdiener mit 3000 Euro brutto wird laut Wonnebauer steuerlich um rund 700 Euro entlastet. Doch dieses Plus könnte im kommenden Jahr durchaus wieder aufgefressen werden. Das befürchtet auch eine TV-Leserin, deren Mann in Luxemburg und sie in Deutschland arbeitet. Ihr Jahresverdienst von 40 000 Euro werde künftig zu Berechnung des so genannten globalen Einkommens in Luxemburg auf den Verdienst ihres Mannes angerechnet, sagt Wonnebauer und stellt klar, dass das deutsche Gehalt im Nachbarland auch in Zukunft nicht versteuert werde. Als die Frau von dem Anwalt erfährt, dass das Paar künftig möglicherweise bis zu 400 Euro im Monat weniger haben könnte, ist sie zunächst sprachlos. Ein Rentner, der bislang in Luxemburg gearbeitet hat, erfährt an diesem Abend zum ersten Mal, dass auch er künftig im Großherzogtum Steuern auf seine Alterseinkünfte zahlen muss, weil das Einkommen seiner Frau dort angerechnet werden wird. Betroffen seien verheiratete Grenzgänger, deren Ehepartner in Deutschland arbeite, stellt Wonnebauer klar. Diese würden automatisch zunächst in eine schlechtere Steuerklasse eingestuft, mit der sie den höchsten Steuersatz bezahlen müssten. Er schätzt, dass dies rund 10 000 deutsche Pendler betreffen könnte. Aus Sicht der Luxemburger Steuerverwaltung würden die betroffenen deutschen Pendler nicht diskriminiert, sondern mit vergleichbaren luxemburgischen Arbeitnehmern gleichgestellt, sagt Wonnebauer. Für ledige Pendler oder Ehepaare, bei denen beide in Luxemburg arbeiteten, ändere sich durch die Reform nichts.